Ich muss dürfen.

Ich muss dürfen …
Mein Leben war ein MUSS,
ich wurde geboren
niemand hat mich gefragt.
ich musste atmen, ich musste trinken,
ich musste essen, im Zweifel Spinat.

ich musste pissen und scheißen,
ich musste laufen.
ich musste alles mit rechts begreifen,
obwohl es mit links
mir lieber gewesen wäre.
ich musste wachsen,
ich musste lachen und weinen,
ich musste erwachsen werden,
ich musste mein inneres Kind verneinen.

ich musste Verantwortung tragen,
ich musste meinen Mann stehen,
ich musste Steuern bezahlen,
ich musste immer vorangehen.
ich musste Vorbild sein,
ich musste Geld verdienen geh’n,
ich musste führen und leiten,
ohne selbst das Ziel zu seh’n.

ich musste immer erreichbar sein,
ich musste stets verfügbar bleiben,
ich musste ackern und streben
mich jeden Tag verkleiden.
ich musste opfern,
ich musste lieben
und geliebt werden,
ich musste siegen.

ich musste stets Vernunft behalten,
immer nett sein, auch wenn’s schwer fiel,
ich musste viel ertragen, kroch oft
mit letzter Kraft zum Ziel.
Mein Leben war ein MUSS,
und so kam’s, dass ich es übersah,
dass ich mein eigner Sklaventreiber,
und mein größter Feind wohl war.

Niemand hat mich je so schlecht behandelt,
mir so unendlich viel Kraft geraubt,
wie ich selbst, in all den Jahren,
hab den Schraubstock immer weiter zugeschraubt.
Am Ende war von meinem Leben nichts mehr da.

Doch
ich musste pissen und scheißen,
ich musste laufen.
ich musste in der depression begreifen,
was meinem Leben fehlte,
es war das eine Wort,
das jedes Muss wie einen großen Baum
in viele kleine Stücke sägte.

Ich DARF!
Ich darf leben,
Ich darf lieben,
Ich darf mich geben
wie ich bin,
ich darf fühlen, ich darf lachen,
ich darf mir folgen und tief innen drin,
spüre ich wieder, wer ich wirklich bin.

Das MUSS hat einen neuen Platz in meinem Leben,
es muss nicht weg, ja es darf bleiben,
es muss nur ganz viel Macht abgeben,
für das DARF und seine Möglichkeiten.